Freitag, 04. Dezember 2020

Bärenrunde – der Weg ist das Ziel!

Bärenrunde – der Weg ist das Ziel!

Tausende von  Trekkern machen sich alljährlich  auf den Weg in den Norden Europas,  um in Finnland eine der faszinierendsten Trekkingrouten der Welt, die Bärenrunde, zu begehen

 

Die Bärenrunde, auch“Karhunkierros”  genant,  ist der bekannteste Wanderweg in  Finnland.  Gelegen an der südöstlichen Ecke von finnisch Lappland  führt die Route  ca. 85 km entlang des ungezähmten Flusses Oulankajoki  durch die Wildnis des Oulanka Nationalparks.

 

Canyons, eine Felsenlandschaft mit zwei, teils riesigen  und tiefen Schluchten in Ristikallio, diverse Stromschnellen im Ort Taicalköngas, Hängebrücken,  weite Moore mit trollartig geformten Bäumen sowie zahlreiche Wasserfälle laden zu  Outdoor Aktivitäten wie  klettern, schwimmen, Kanu fahren,  angeln, aber auch Holzhacken ein.

 

Ausschließlich zu Fuss erkundbar,  ist  die Bärenrunde – übrigens kein Rundweg –  dank guter Infrastruktur auch für  Trekking-Anfänger  gut geeignet. Erfahrene Trekker benötigen für die Strecke rund fünf Tage. Einsteiger, die das erste Mal in Finnland unterwegs sind, sollten eine komplette Woche  einplanen.

 

Entlang der sehr reizvollen Strecke befinden sich zahlreiche Markierungen,  die als  optimale Orientierung dienen und das Verlaufen auch ohne Navigationskenntnisse unmöglich machen.  Hängebrücken  und Holzstege  ermöglichen die Überquerung  von Flüssen und Mooren.Sieben sogenannte Wildmarkshütten,  mit Gaskocher oder Ofen, laden zwar zur kostenlosen und bequemen Übernachtung ein, aber aufgrund der Attraktivität der Route herrscht im  Sommer nicht selten  „drangvolle Enge“.  Auch wenn  das Prinzip gilt: Platz ist in der kleinsten Hütte, rate ich dringend zur Mitnahme eines Zeltes.

  

Da in Finnland das Jedermannsrecht gilt, kann jeder sein Zelt eigentlich überall aufschlagen, jedoch rät die Verwaltung des Oulanke- Nationalparks nur an in der Karte vorgegebenen Stellen zu campen und auch nur dort Feuer zu machen. Solche Stellen bietet der Oulanka National Park reichlich und so ist man mit dem Zelt gerade in der Hauptsaison ab ca. Mitte Juni am besten dran und auch am flexibelsten mit der Routenplanung. Die einfachste Form der Übernachtung bieten  die sogenannten Laavus oder Shelter, einfache Unterstände, die nach vorne hin offen sind.

 

Meine Empfehlung:  erst zur fortgeschrittenen Jahreszeit nach Kuusamo, dem Ausgangspunkt für das „Abenteuer Bärenrunde“ reisen. Auch wenn ab Ende September schon mit Nachtfrost zu rechnen ist,  wird es dann aber deutlich ruhiger und die „Ruska“ , die Laubfärbung im beginnenden Herbst, taucht den Wald in leuchtendes Gelb und Rot. Tipp: Tolle Fotomotive bieten die rote Felsschlucht und die Wasserfälle Kiutaköngäs.

 

Aber auch im finnischen Winter ist die Bärenrunde „begehbar“ und bietet ein zwar körperlich anspruchvolles, aber unvergessliches Erlebnis:  Winterwald und Felsformationen, die tausende Jahre zuvor von der Eiszeit geformt wurden. Wer will, kann sich im Winter auf seiner Wanderung nach einer notwendigen Einführung von Huskies begleiten lassen, die das  Gepäck in Pulkas ziehen. Aber auch das Laufen mit Schneeschuhen ist möglich und wird oftmals praktiziert. Da unterwegs so gut wie keine Einkaufsmöglichkeit besteht, muss der komplette Proviant mitgeführt werden. Wasser kann direkt aus Seen und Flüssen entnommen werden. Axt und Säge sind an den zahlreichen Feuerstellen vorhanden, mitgeführt werden sollten dagegen auf jeden Fall ausreichend Kerzen, da es in den Hütten sehr dunkel ist.

 

Flora und Fauna im Oulanka-Nationalpark  sind außergewöhnlich vielfältig und werden bestimmt durch einzigartige Lebensräume mit einer reichhaltigen Pflanzenwelt in den Flusstälern. Unter den mehr als 25 Säugetierarten sind Wolf, Otter, Wiesel, Elch, Hase, Rentier, Baummarder und Hermelin. Doch man muss schon viel Glück haben, diese scheuen Gesellen zu Gesicht zu bekommen.  Und wo sind die Bären, werden Sie jetzt fragen? Kaum oder gar nicht zu sehen!  Meister Petz verbringt den Sommer lieber im benachbarten Russland.

 

In die Bärenrunde eingebettet liegt der Valtavaara-Gipfel, die mit 492 Meter höchste Erhebung rund um Kuusamo. Die Besteigung lohnt sich. Und wer glaubt,  bei einer letzten Rast auf dem Gipfel Kuhglocken zu hören, irrt nicht,  wenn auch die Glocken an den Hälsen von Renntieren hängen.

 

Um die  Bärenrunde  zu bewältigen, braucht es im Sommer keine besondere Ausrüstung. Ein Sommerschlafsack bis +5 C sowie Wanderschuhe und Regenkleidung sollten jedoch im Gepäck sein. Die  Wetterverhältnisse auf der Bärenrunde schlagen oftmals Kapriolen.  Outdoor-Aktivisten sollten in der Nähe des Polarkreises ihre Kleidung so wählen, im Mai ebenso Minusgraden und Neuschnee aber auch fast „sommerlichen“ Temperaturen von 15-20 Grad  oder Dauerregen zu trotzen .  In den Wintermonaten liegt der Schnee mehr als einen Meter hoch,  in der Hochsaison, Juli und August, werden hartnäckige Mücken zu unliebsamen Wegbegleitern.

Gerd Huppertz

 

Beste Reisezeit: Mai/Juni– der Frühling kommt durch und man kann trotz recht angenehmer Temperaturen noch an einigen Stellen der Strecke auf Schnee treffen Anreise:  Am einfachsten und schnellsten ist der Oulanka-Nationalpark von Deutschland aus mit dem Flugzeug nach Helsinki (ab Köln mit Germanwings  ) und  Weiterflug nach Kuusamo (75 Min) zu erreichen. Infos unter www.germangwings.de  und  www.finnair.com . Ab  Flughafen in Kuusamo verkehrt ein Zubringerbus direkt zu einem der beiden Einstiege in die „Bärenrunde“. Möglich auch: in der Sommersaison preiswert mit der Siljaline-Fähre ab Rostock nach Helsinki.

 

Buchtipp: Finnland Bärenrunde: OutdoorHandbücher Band 85, Conrad Stein-Verlag, ISBN 3-89392-385-3, 3. Auflage 2010 , 125 Seiten, 10 Karten, 13 farbige Abbildungen, 8 schwarz-weiß Abbildungen, EUR 9,90, bestellbar über www.amazon.de   Neben der detaillierten Darstellung des Bärenpfads werden auch Kanutouren auf Flüssen und Seen in der Region Kuusamo im nordöstlichen Finnland beschrieben. Ob Outdoor-Einsteiger oder Profi – dieses Buch liefert ausführliche Reiseinformationen, Hinweise zu Wintertouren und Wissenswertes zu Geographie, Flora und Fauna des Nationalparks und wird so zum hilfreichen Partner bei Planung und Durchführung der Tour.

 

 

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