Die Randale von Mönchengladbach waren nicht nur der Aufreger des vergangenen Bundesliga-Spieltages, sie bestimmten in dieser Woche auch die Diskussionen vor dem “Top-Heimspiel” des 1.FC Köln gegen Hannover 96 und überschatteten damit das eigentliche Tagesgeschäft.

Die Konzentration des mal wieder gebeutelten 1.FC Köln auf das so enorm wichtige Treffen mit einem Tabellennachbarn war empfindlich gestört. Der Fussball tritt in den Hintergrund der Berichterstattung, was auch die Vielzahl meiner recherchierten Links zu diesem Thema unterstreicht.

Die Hirnmasse der beteiligten Zombie-Fans ist nicht groß genug, um zu erkennen, welchen Schaden die chaotischen Auswüchse dieses Mal für den 1.FC Köln nach sich ziehen könnten. Oder aber es ist den Voll-Pfosten bewußt und es steckt System dahinter.

Egal wie, das Fass ist nicht nur voll, es ist übergelaufen. Es ist nicht fünf vor 12, sondern 5 nach 12. Ich begleite die Bundesliga vor Ort seit über 40 Jahren. Und nein, ich bin kein Hardliner. Aber irgendwann nutzt auch der letzte Dialog nichts mehr. Das wäre auch jetzt das falsche Signal. Jetzt gehört auf einen groben Klotz ein grober Keil.

Insofern hat der 1.FC Köln einen ersten richtigen Schritt getan und seine bisher liberale Haltung  gegenüber Problem-Fans aufgekündigt. Ein bislang stets dialogbereiter Klub greift durch und erfährt auch dementsprechend öffentliche Unterstützung dafür.

Natürlich wird und muss der Dialog nicht zu Ende sein. Nur die “Ansprache” im Dialog muss sich ändern. Die Tür muss offen bleiben für alle, die sich jetzt noch besinnen, aber sie muss fester denn je verschlossen werden für die, die unseren Fussball häßlich machen. Mit den gemäßigten Fans im Dialog bleiben heißt, von ihnen zu verlangen, dass sie erst dann als gemäßigt angesehen werden, wenn sie positiven Einfluß auf die nicht Gemäßigten nehmen. So und nicht anders rum!

Jörg Schmadtke hat Recht, wenn er in diesen Tagen und im Zusammenhang mit den Vorkommnissen das eigentlich unpopuläre Wort von der “Endsolidarisierung” in den Mund nimmt. Jetzt müssen auch die wirklich Gemäßigten in den diversen Fan-Gruppierungen Flagge zeigen, um sich nicht der Mittäterschaft durch Zuschauen schuldig zu machen. Zivilcourage im Stadion – das ist jetzt mehr denn je gefragt.

Der 1.FC Köln  hat gar keine andere Wahl als vehement nach außen, vor allem dem DFB und der Gesellschaft gegenüber, ein klares Signal zu setzen. Hier geht es nicht mehr um empfindliche Geldstrafen, Platzsperre, Geisterspiele oder Ausschluß aus einem Wettbewerb wie dem DFB-Pokal. Hier geht es unter Umständen um einen empfindlichen Punkteabzug. Das Worst-Case-Scenario schlechthin. Und das wiederum würde den FC auf einen Abstiegsplatz katapultieren. Von einem solchen “Schock” würde sich der Klub in einer Saison, wo es in der unteren Tabellenregion wie kaum zuvor ein Hauen und Stechen um das rettende Ufer gibt, nicht erholen. Und damit ist das, was derzeit rund um den 1.FC Köln passiert, irgendwie schon existenzgefährdend.